Wir sind Sankt Pauli

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mOi!n Leute. Also eins mal vorweg. Dieser Text wird undifferenziert, schert viele über eine Kamm, wird vermutlich unentspannt und es werden sich wie immer die Falschen angesprochen fühlen. Aber mir ist heute danach. Müsst ihr jetzt mal durch. Ihr müsst ja nicht weiterlesen. Freies Land und so.

Mir geht gerade etwas gewaltig auf den Keks. Ich kann's auch gar nicht richtig benennen, weil's wahrscheinlich bei jedem einen anderen Auslöser gibt. Resignation, Gleichgültigkeit, nicht anders kennen gelernt. Sucht euch was aus.

Eigentlich hätte in den letzten Tagen hier ein Rückblick auf eine durchaus spaßige und vor allem sportlich erfolgreiche Auswärtsfahrt stehen sollen. Immerhin meine erste nach zwölf Jahren. Aber da habe ich gerade gar keine Lust drauf. Kommt vielleicht später noch mal. Aber einige Auslöser für eine Pöbelattacke liegen auch ein bisschen im brandenburgischen Rathenow. Bei Beobachtungen dort, Gedanken und Gesprächen unterwegs oder Pressestimmen danach. Fangen wir doch mit dem letzt Genannten mal an.

'Stolz und Ehre'? Ernsthaft, Herr Vrabec? Ich kann mich noch an Zeiten erinnert, da haste für diese Worte im falschen Umfeld gefangen, aber gehörig. Und jetzt doch mal kurz was für den Kontext an dieser Stelle - bitte versteht mich nicht falsch, klar darf ein Trainer seinen Jungs sagen, dass sie stolz auf ihre Leistung sein dürfen. Und klar darf sich jemand geehrt fühlen, für den Magischen FC zu spielen. Aber Stolz und Ehre wiederfinden? Digga, ist nicht meine Sprache und sicherlich auch nicht diejenige einiger oder vieler anderer in unserer Fanszene.

Und daher hätte ich kotzen können bei einer solchen Ausdrucksweise von Offiziellen in unserem Verein. Da fehlt mir Sensibilität fürs Umfeld. Ich hab's Gefühl, unser Herr Cheftrainer hat FCSP noch immer nicht verstanden.

Wo wie gerade bei verstehen sind - vielleicht konnte ich ja aus der gefühlt letzten Reihe auf nur wenigen Stufen im Stadion Vogelsang nicht alles richtig sehen, aber als die immerhin über 2000 Mitgereisten den nicht unbedingt selbstverständlichen Einzug in die zweite Runde des DFB Pokals feierten, hab ich nur bei vier oder fünf der Kollegen Spieler echte Begeisterung für den Support sehen können. Und es ist mir scheißegal, welche Gründe dafür verantwortlich sein könnten. Mir fehlt da das Zeichen der Identifikation. Basta.

Es gibt immer mal wieder schöne Tapeten oder sogar riesige Banner mit der Aussage: "Wer es nicht fühlt kann es nicht verstehen!" Hab ich sogar auf'm Arm. Langsam glaube ich aber, das funktioniert in beide Richtungen. Mir scheint "Wer es nicht versteht, kann es auch nicht fühlen" könnte der neue Slogan für größere Teile des Profikaders werden. Und offensichtlich auch für den Cheftrainer und vielleicht auch den Sportchef. Wieso zum Henker bekommt ihr diese so verdammt wichtige Identifikation mit dem FCSP nicht transportiert? Nicht da? Nicht verstanden? Warum kommt das nicht bei uns an?

Und wo ich grad so schön in Fahrt bin, möchte ich diese Frage mal in gleicher Intensität an einen nicht unerheblichen Teil der Stadionbesucher stellen. Wo ist denn eure Identifikation, eure Leidenschaft? Beim 'Herz von St. Pauli' wird verflucht noch eins mitgesungen und nicht der Urlaub der letzten Woche diskutiert. Das könnt ihr in der Kneipe machen. Geht das Spiel da gucken.

Rathenow hat mich da echt noch mal nachdenklich gemacht. Ich stand im Stadion noch nie in der Nähe von USP. Das war dort für mich das erste Mal. Und es ist echt erstaunlich, aber man kann einen Gesang tatsächlich mehr als zweimal wiederholen. Und es wird noch nicht mal langweilig, wenn fast alle um einen herum das tun. Nee, das macht sogar Spaß. Und mir als eher untrainiertem Gegengeradler tat nach 35 Minunten sogar kurzzeitig der Kiefer von der Bewergung weh.

Aber darauf will ich eigentlich gar nicht hinaus. Da wo ich auf der Gegengerade stehe, wirste echt schon mal komisch angeguckt, wenn du dich alleine oder durch zwei bis sechs andere komische Gestalten unterstützt einfach auch noch in die dritte oder vierte Wiederholung eines Chants wagst. Du wirst zuweilen belächelt. Merkt ihr selbst, ne - komisch angekuckt oder belächelt für Support am Millerntor. So wird das nix mit "The Hell of St. Pauli" oder dem Dings, na, wie heißt er, ... Roar.

Wir nehmen das hin, was da Ende letzter Saison und Anfang dieser geschehen ist. Diskutiert wird im Forum, auf Twitter und in Blogs. Ein stückweit ironisch, das in einem Blog anzuprangern, aber so bin ich. "Irgendwie alles wie immer" - "Was haste erwartet, ist halt Pauli" - "bla bla bla".

Und ja, Verlieren gehört zu St. Pauli. Gefühlt sogar öfter als das Gewinnen. Scheißspiele gehören zu St. Pauli. Schon immer. Aber bei fehlender Identifikation oder Leidenschaft gehörte auch mal das Aufhalten des Mannschaftsbusses vorm Clubheim und eine ehrliche Diskussion mit Spielern und Trainern dazu.

Irgendwie hängt da grad was schief und ich habe das Gefühl, dass viele darauf warten, dass es sich wieder ändert. Aber was soll sich denn ändern, wenn alle auf etwas warten? Der Trainer wartet, die Mannschaft wartet, die Stadionbesucher warten - wow, das wird bestimmt total spannend.

So - und jetzt mal noch schnell die Weisheit von der eigenen Tür und dem Kehren raus hauen: Wenn jeder sich selbst fragt, ob es das, was er da erlebt, das Sankt Pauli ist, dass er haben möchte und diese Frage mit 'Nein' beantwortet, dann sollte jeder auch überlegen, was er ab genau diesem Moment dazu beitragen kann, dass es sich ändert. Und auch das gilt für alle Seiten: Trainer, Spieler, Stadionbesucher - mich eingeschlossen!

Meine Fresse - wir sind Sankt Pauli! Alle! Zusammen!

So - musste mal raus. Wie gesagt, undifferenziert, zu pauschal, nicht alles bedacht, und vermutlich auch voller Tippfehler. Und garantiert fühlen sich die Falschen auf die Füße getreten. Ist heut mal so.

Oi!


Nachtrag [21. August 2013]: Ich hab's mit 'nem kühleren Kopf noch mal gelesen, hoffentlich alles Tippfehler korrigiert und mich an Rachid Azzouzi erinnert, wie er nach beim Verlassen des Parkplatzes in Rathenow anerkennend und dankend der Hand voll Fans, die noch dort waren, gewinkt hat. Eine gute Erinnerung. Wir sehen uns morgen.

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