Wer es nicht fühlt ... - oder alles wie immer

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mOi!n Leute. Ich glaub, diesen Text schreib ich mal lieber in zwei Teilen. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich nach dem heutigen Heimspieltag, dem ersten in dieser Saison, noch so genau weiß, wie es sich am Morgen vorm Aufbruch ins Viertel ganz genau angefühlt hat. Außerdem muss ich noch ein paar Minuten überbrücken.

Samstag, 2. August

8.05 Uhr: Direkt nach dem Aufwachen war es schon da. Dieses Kribbeln. Das ganz besondere Gefühl, das nur versteht, wer es ebenfalls fühlt. Heimspieltag. Der erste der neuen Saison. Ein Auge auf, Twitter auf: Ja, es geht vielen so. Die ganze Timeline voller Vorfreude. Morgens um acht schon aufgeregt, ungeduldig.

8:20 Uhr: Shorts an, T-Shirt übern Kopf, rein in die Schlappen, Brötchen holen. Eigentlich alles wie immer. Und auch wieder nicht. Alles um mich herum, die anderen Menschen beim Bäcker, der volle Marktplatz gegenüber, wie ausgeblendet, auf stumm geschaltet. In Gedanken schon in der S-Bahn auf dem Weg ins Viertel. Ich kann förmlich schon das erste Bier schmecken. Freue mich auf die vielen bekannten Gesichter und geliebten Menschen.

8.40 Uhr: Frühstück, Kaffee, mein Herzmensch hatte gerade etwas zu mir gesagt, ich hab nicht richtig zu gehört. Tschuldigung. Im Kopf: "Heeeeeeeey FC Sankt Pauli. Wiiiiiiiiiir woll'n dich siegen seh'n. Die ganze Kurve singt und tanzt für dich. Du bist unser ein und alles ja wir lieben dich!" Ich grinse, wippe mit dem Kopf, meine Frau guckt mich fragend an.

9.30 Uhr: Einkaufen. Auf dem Weg zum Supermarkt. Die Fäuste in die Höhe: "Hände hoch, das ist ein Überfall. Heute kommen wir von überall. Ja wird sind da. Ultra Antifa." Fragende und verwirrte Blicke der Passanten. Hab ich laut gesungen? Ich glaube nicht. Ups.

10.10 Uhr: Wieder zu hause. Duschen. Klamotten raus suchen. Ooorrrr! Das Lieblingsshirt in der Wäsche. Egal, ich habe genug andere. Menno. Immer noch so früh. Scheißdreck, mensch gewöhnt sich echt an diese fiesen Anstoßzeiten und kann mit nachmittags beginnenden Spielen gar nicht mehr richtig umgehen. Ich bin ungeduldig. Ich will los. Wie überbrücke ich die Zeit bis zum Treffen mit der Bezugsgruppe vorm Jolly Roger? Ich bin total hibbelig.

11.20 Uhr: Meine bessere Hälfte: "Zieh dich an und geh endlich!" - na gut, bis später Hoschis. Wir sehen uns im Jolly, auf der Gegengerade, im Viertel. "Come on, come on! Come on, come on! Come on, come on! Antifa Hooligan"!

Sonntag, 3. August

Tja, jetzt ist es Sonntagnachmittag und ich bin müde. Fazit des Spieltages: Eigentlich alles wie immer. Es war total toll, mal wieder fast die ganze Bezugsgruppe zusammen zu haben. Und auch unsere Reisegruppe Rathenow konnten wir mit einem weiteren Ticket aus dem Fanladen noch um eine Person erweitern.

Tja, und das Spiel - irgendwie - naja, halt wie immer. Das Bier schmeckte, den Support empfand ich für Wetter, Spiel und Uhrzeit als entsprechend gut. Kurz vor der Halbzeit dann so ein Gegentor, bei dem du denkst: "Wie ging das denn?" Rückstand. Mal wieder. Aber ne Viertelstunde vor Schluss dann der versöhnliche Ausgleich. Fazit: Hinten wirkt's etwas stabiler als letzte Saison, vorn fehlt uns irgendwie noch was oder jemand. Aber immerhin zuhause in dieser Saison ungeschlagen.

Dem Wetter entsprechend war's dann nach dem Spiel eher entspannt. Wir waren allerdings erstaunt, dass uns auch nach einer gefühlten Ewigkeit des Relaxens auf den Stufen der Gegengerade immer noch kein Ordner freundlich zum Ausgang bitten wollte. Also gingen wir aus eigenem Antrieb. Dann Südkurvenvorplatz, Rasen gegenüber dem Jolly, Kleine Pause, Rasen gegenüber dem Jolly, McDonald's Altona, nach Hause.

Abschließend bleibt festzuhalten: Die Stimmung im Stadion war besser als gegen Celtic, aber das war auch ein Testspiel. Die Party nach dem Celtic-Spiel war besser als gestern, aber die war ja auch nach einem Testspiel. Ach ja, und @felgenralle ist und bleibt einer von uns.

Jetzt bleibt die Müdigkeit am Sonntag nach einem Heimspiel und das Wissen, welch großartige Menschen meine Bezugsgruppe ausmachen. Danke Leute - ihr wisst, dass ihr gemeint seid.

 

 

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