Niederlagenrausch

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Moin Leute. Eigentlich sind Berichte über Spiele oder Spieltage ja nicht so mein Ding. Das liegt vor allem daran, dass meine Wahrnehmung im Stadion eher so das Gesamterlebnis erfasst als nur das, was auf dem Rasen passiert. Das hat mit den Leuten um mich herum zu tun, mit dem Support, und natürlich auch mit dem Bier. Ich habe keinen Blick für Taktik oder Matchpläne. Kenn ich mich nicht mit aus. Daher weiß ich auch nicht, ob jetzt unsere Jungs besser waren oder die Region den Sieg verdient hatte. Ich weiß nur, ich fand's geil!

Obwohl das Kribbeln am diesem Tag erst so gar nicht richtig kommen wollte. Klar hatte ich mich schon die ganze Woche auf das Heimspiel gefreut. Freitagabend,Flutlicht, Dom und die unsympathische Region. Also eigentlich genug Gründe für eine positive Grundaggressivität. Aber die Nachmittagssonne sorgte eher für eine entspannte Stimmung. Blöde Sommerzeit.

Egal. Erstmal das Beste aus der Sonne machen und sich gemütlich mit Bier und lieben Leuten gegenüber des Jolly in die selbige setzen. Lautstarke Bierbestellungen quer über den Hamburger Feierabendverkehr funktionieren prima und die Stimmung steigt.

Zwei Stunden später stehen wir an unserem Lieblingswellenbrecher, nur noch wenige Minuten bis zum Einlauf der Mannschaften. Der Blick fällt hinter uns und wir ahnen, was gleich losbrechen wird. Schnell noch das Bier austrinken, Sonnenbrillen auf, Kapuzen hoch. Jetzt kribbelte es. Im Nachbarblock verhüllen sich alle unter einer riesigen Fahne. Bei uns gehen die Fäuste hoch, das Wurfmaterial fest im Griff. Jetzt ist es soweit und jeder spürt es. Jeder istbereit. Gleich bricht es los. Glockenschläge, Gitarre, kein Halten mehr - Konfettiinferno!

Jetzt kommt so meine Schwachstelle. Eine Spielbeschreibung. Kann ich nicht, zumindest nicht mit sportlichem Blickwinkel. Ich erinnere mich eher so an einzelne Dinge. Beim frühen Führungstreffer für den FCSP gab's ne Bierdusche. Passte zum Tag und hab ich lange da wo wir stehen nicht mehr erlebt. So laut wie gegen Sippel wurde am Millerntor lange nicht mehr gepfiffen - und er hatte es verdient. Der Roar war da und gefühlt das ganze Spiel über unglaublich intensiv. Wann immer etwas Aggressivität drohte verloren zu gehen - egal ob auf dem Platz oder auf den Stufen - kam wieder neues Feuer aus verschiedenen Teilen des Stadions. Und alle hatten da irgendwie Bock drauf. Die Unterstützung für Himmelmann nach Tschauners verletzungsbedingter Auswechslung war großartig, seine Leistung auch.

Und die Region blieb unsympathisch. Nach dem späten Ausgleich durch die Boys in Brown hab ich keine einzige Fahne mehr im Gästeblock gesehen. Gehört hab ich sie sowieso nicht, aber das mag auch dem eigenen Roar geschuldet sein. Die ganze Nachspielzeit kein Support mehr aus der hinteren Ecke der Nord. Erst als in der siebten Minute der fünf(!)minütigen Nachspielzeit dieser blöde Gegentreffer fällt, flippten die wieder aus. Aber was willst du erwarten von Leuten, die Zuhause entweder die eigene Mannschaft auspfeifen oder die gegnerischen Fans arrogant mit weißen Taschentüchern verabschieden. Ich mag die nicht. Am Besten fasst das mein persönliches Lieblingsbanner zusammen: FCK FCK!

Zusammenfassend bleibt in meiner Erinnerung ein Niederlagenrausch zurück. Geile Atmosphäre, geile Leute, Scheißergebnis. Scheiß aufs Ergebnis! Geiler Abend! Das ist Fußball? Quatsch, das ist Sankt Pauli! So richtig schade war eigentlich nur, dass Boller sein Comeback nicht in dieser geilen Atmosphäre erleben durfte. Ich hätte es ihm gegönnt.

Nach dem Spiel noch ein bisschen am Wappen schnacken, Bier trinken und Thees Uhlmann singen. Dann noch ins Jolly, Bier trinken, singen und tanzen.

Und irgendwann nach Hause. Geile Nacht!

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