Die Klobürste bleibt griffbereit

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 Moin Leute. Es ist deutlich ruhiger geworden in den Medien. Fast könnte mensch meinen, das Gefahrengebiet ist nur ein Spuk gewesen. Ein schlechter Traum. Kaum noch etwas in der Presse. Von Aufarbeitung möchte ich gar nicht erst sprechen. Soviel noch vor wenigen Wochen darüber geschrieben worden ist, so wenig ist jetzt noch zu lesen. Was ist geblieben?

Wenn mensch etwas aufmerksam ist, sind noch Spuren zu finden. Das Thema ist noch nicht komplett tot. Eine Liste der gefunden und sichergestellten Gegenstände wird - auf Anfrage - veröffentlicht. Die Frage, warum ein Zelt als gefährlicher Gegenstand unbedingt sichergestellt werden musste, bleibt jedoch unbeantwortet.

Der Generalstaatsanwalt macht der Polizeiführung schwere Vorwürfe in Bezung auf die Informationsweitergabe im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Angriff auf die Davidwache am 28. Dezember. Der Anwalt der Aktivist*innen der Roten Flora leitet rechtliche Schritte gegen die Polizeiführung ein und der Senat setzt jetzt irgendwie Klausmartin Kretschmer unter Druck, die Rote Flora zurück an die Stadt zu verkaufen.

Von einer dauerhaften Lösung zu den Lampedusa-Flüchtlingen habe noch nichts gelesen. Was nach dem Abriss der Essohäuser dort passieren wird, ist auch noch nicht klar. Also auch wenn es ruhiger geworden ist, zuende ist es noch nicht. Die nächsten Demos sind bereits erfolgt, weitere werden vorbereitet. Das mediale Echo ist jedoch verhaltener als zu Zeiten eines großen Gefahrengebietes.

Was bleibt für mich zurück? Ich bin ein bisschen müde geworden, immer wieder diesem Stammtischbild zu begegnen. Alle Demonstrant*innen sind gewaltbereite und linksextrem. Und wenn die Polizei Gewalt einsetzt, muss es dafür ja einen Grund geben. Ich bin es müde, vielen Menschen in meiner Umgebung immer wieder erklären zu dürfen, dass es eben nicht so einfach ist, wie in den meisten Medien berichtet wird. Es ist anstrengend, das in der Öffentlichkeit gezeichnete Bild selbst gegenüber Familie und Freunden immer wieder zurecht zu rücken.

Das gute bei diesen vielen Diskussionen ist für mich jedoch, dass ich die Menschen, mit denen ich mich unterhalte, zumindest zum Teil erreichen kann. Vielleicht teilen sie nicht alle meine Ansichten, aber ich möchte daran glauben, dass sie zumindest über das nachdenken, was ich ihnen erzählt habe.

Ich bin müde, das mediale Echo auf das Gefahrengebiet leiser. Vielleicht kommt jetzt eine Zeit, in der es auch die politischen Probleme wieder in den Fokus der breiten Öffentlichkeit schaffen. Denn diese Probleme gibt, auch wenn Michael Neumann das nicht wahr haben will.

Warten wir ab - die Klobürste bleibt griffbereit.

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