Erstmal sacken lassen

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Moin Leute. Das war ein komisches Gefühl gestern als die Mail vom Kollegen kam: Frontzeck entlassen! Irgendwie wie das Gefühl, dass du hast, wenn kurz nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, merkst, dass du deinen Schlüssel vergessen hast. Es kam für mich so aus dem Nichts. Erstmal sacken lassen.

Zumindest hat es ja wohl nicht an der sportlichen Leistung gelegen. Das hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert. Anscheinend ging es bei der Entscheidung wohl um unterschiedliche Vorstellungen zum Zeitpunkt einer Vertragsverlängerung zwischen Sportchef und Präsidium auf der einen und Cheftrainer auf der anderen Seite. So zumindest war es auf der Internetseite des Vereins zu lesen.

Ich habe mir gerade in der Flimmerkiste die Pressekonferenz von gestern angeschaut. Es hieß, dass Frontzeck darauf bestande habe, in diesen Tage eine Vertragsverlängerung zu erhalten. Der Verein hatte ihm jedoch wohl in der Vergangenheit bereits mitgeteilt, dass diese Entscheidung frühestens in der Winterpause getroffen werde und man nun an diesem Plan festhalte. Es seien jedoch in den Gesprächen der letzten Wochen von Vereinsseite immer wieder positive Signale gesendet worden. Dennoch Frontzeck daraufhin den Verein darüber informiert haben, dass er unter diesen Voraussetzungen dem FC St. Pauli nach dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehe. Ich gehe jetzt erstmal davon aus, dass das wohl im groben tatsächlich so gelaufen ist.

Tja, und was halte ich jetzt davon? Meine erste Reaktion war: Wieso ausgerechnet jetzt? Es läuft doch sportlich ganz gut, auch wenn die Mannschaft noch nicht konstant genug ihr Potential ausschöpft. Aber gerade das ließ doch hoffen, dass sich im Verein eine gute Konstellation gefunden hatte mit Azzouzi, Frontzeck und der jungen Mannschaft. Keine Leihspieler mehr, einige mit 3-Jahres-Verträgen, ein sympathischer Trainer mit der sympathischer Frisur und Ergebnisse auf dem Platz, die auf eine erfolgreichere Saison als die letzte hoffen lassen. Der Zeitpunkt für solche Entscheidungen und Quärelen also denkbar ungünstig.

Und doch war ich von der Konsequenz der Vereinsführung überrascht. "Ich will jetzt!" - "Nein, wir reden in der Winterpause." - "Nein jetzt!" - "Nein, in der Winterpause." - "Dann bleibe ich nicht." - "Ok, tschüß." Ist das so falsch?

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. In der Pressekonferenz wurde zurecht die Frage gestellt, warum es keine Option gewesen sei, Frontzeck seinen Vertrag bis zum Sommer erfüllen zu lassen und anschließend einen neuen Trainer für die neue Saison zu suchen. Die Antwort auf diese Frage klang für mich jetzt genauso logisch wie die Frage selbst: Die Kaderplanung beginnt noch während der laufenden Saison und das könne leicht zu Schwierigkeiten im operativen Geschäft führen, wenn schon klar sei, dass der Trainer dann nicht mehr an Bord sei.

Nun hätte man - wenn die Signale so positiv waren - doch einfach Frontzecks Wunsch nach einer vorzeitigen Verlängerung nachkommen können. Auf der anderen Seite hätte Frontzeck - eben wegen dieser positiven Signale - ja auch noch bis zur Winterpause entspannt bleiben können. Warum weder das eine noch das andere geschehen ist, werden wohl nur die Beteiligten beantworten können.

Wenn denn wirklich keiner dieser beiden Wege eine mögliche Option gewesen ist, dann ist es meiner Meinung nach nur logisch und konsequent, die Zusammenarbeit jetzt zu beenden und nach einem Cheftrainer Ausschau zu halten, mit dem der Rest dieser und mindestens die nächste Saison nachhaltig geplant werden kann. Denn wer schon weiß, dass er nicht bleiben wird, dem wird - bei aller Professionalität - das eigene Hemd sicherlich näher als die Vereinshose sein.

Dennoch - ich find's schade. Mir war Frontzeck sympathisch und ich hatte das Gefühl, er passt zu uns. Naja - Roland Vrabec hat ja auch Glatze. Und bis zur Winterpause bleibt er erstmal.

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