Voran FC Sankt Pauli

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Moin Leute. Wenn ich das Schreiben noch weiter nach hinten verschiebe, werde ich mich an gar nichts mehr richtig erinnern können, was so alles passiert ist. Also – trotz Rotznase und Taschentücherhöchstverbrauchswerten mal gucken, ob ich alles zusammenkriege, was ich loswerden will. Ist ja ne ganze Menge passiert seit dem letzten Eintrag.

Nix Wache

Mein E-Mail-Verkehr mit Michael Meeske war bei weitem nicht das einzige, was zwischen dem Vernetzungstreffen im Centro Sociale und dem Heimspiel gegen Aalen passiert ist. Unheimlich viel wurde in der Fanszene gebastelt, gesprüht, diskutiert, gebloggt, mobilisiert. Selbst am Abend vor dem Heimspiel gab's noch ein letztes Montagsbasteln. Am Mittwoch zuvor wurde bereits der Grundstein für die Goliathwache gelegt – da wo er hingehört, nach draußen. Warum das Ganze? Dazu hier nochmal das Positionspapier der Fanszene.

Alle in Rot

Die Vorbereitungen zeigten Wirkung – das Stadion war vor Anpfiff komplett in Rot getunkt. Ausnahme waren unsere Ultràs, die verständlicherweise zunächst Abschied von einem der ihren nahmen. Zur zweiten Halbzeit waren sie dann aber auch dabei – beim Protest gegen die Goliathwache in der Gegengeraden. Offensichtlich hat der Verein gemerkt, dass nicht nur ein kleiner Teil der Fanszene mit den aktuellen Plänen nicht einverstanden ist. War ja auch nicht zu übersehen. Und so las ich dann ein paar sehr klare Worte von Christian Bönig. Jetzt, lieber Verein, lasst den Worten Taten folgen.

Sportlich

Hm. Tja. Also nee. Oder? Ich weiß nicht. Das war mal so gar nix. Sofern ich meiner Twitter Timeline vertrauen kann, war in Frankfurt zumindest noch so etwas wie ein Willen zum Sieg zu sehen. Davon hab ich beim Heimspiel letzten Dienstag nichts gemerkt.

Müde, ideenlos, nicht zwingend. Da kam aber mal so gar nichts. Aus der Gegengerade betrachtet stell ich mir jetzt allerdings auch die Frage, ob sich die Stimmung jetzt von den Rängen auf den Rasen übertragen hat oder umgekehrt. Der Support – wenn auch vorhanden – blieb aber weit unter seinen Möglichkeiten. Aber ich glaube ja immer noch daran, dass wir uns noch in der Findungsphase befinden – sowohl auf dem Rasen als auch auf der Gegengerade. Dach drüber, volle Hütte, da geht noch was.

Aber egal, wie die sportliche Leistung ausgesehen hat, personelle Entscheidungen gehören nicht in die Kurve! ‚Raus'-Rufe gehen mal gar nicht. Pfiffe übrigens auch nicht, wenn man seinen Teil ebenfalls nicht geleistet hat. Und vom ‚Roar' waren wir so weit entfernt, wie die Mannschaft vom Sieg. Ob man nach Abpfiff die Mannschaft bedingungslos beklatschen muss, das muss jeder für sich entscheiden. Ein ‚You'll never walk alone' hätte ich passend gefunden, aber keinen Beifall. Mir hat dafür der Kampf gefehlt.

Ganz anders jedoch dann in Regensburg. Mein letztes Spiel auf sky (Abo ist morgen weg), also ausnahmsweise mal wieder Fußball vom Sofa aus. Drei Konter, drei Gegentore, keine Punkte. Aber es war auch nach dem dritten Gegentor noch Biss zu sehen. Gut, der Kommentator nannte es Frust, ich nenne es Leidenschaft. Technisch hat noch einiges an Präzision gefehlt, Taktisch an Abwehrverhalten noch mehr. Aber irgendwie war diese Niederlage besser zu ertragen als die gegen Aalen.

Trainer

André Schubert ist weg. Direkt in der Nacht nach der Heimniederlage gegen Aalen hat sich der Verein getrennt. Jetzt dann doch, nachdem es im Mai erst so aussah und dann doch anders kam. Ob das gut ist? Ich denke schon. Ich will auf gar keinen Fall sagen, dass Schubert alleine Schuld an der Situation oder ein schlechter Trainer ist. Seine Zeit bei Paderborn und der nur knapp verpasste Relegationsplatz in der letzten Saison beweisen das Gegenteil. Zumindest sportlich. Wie tief die im Mai von der Presse erwähnten zwischenmenschlichen Differenzen zwischen den beteiligten Menschen nun wirklich waren, kann ich nicht sagen. Ich denke aber, es hat einfach nicht gepasst. Ich bin gespannt, wer's jetzt werden wird.

Und jetzt?

Es muss erst hässlich werden, bevor es wieder schön werden kann. Es ist ja nicht so, dass wir Abstiegskampf nicht kennen. Und ich meine jetzt nicht das Luxusproblem, sich im unteren Bereich der Erstligatabelle wieder zu finden. Aber auch wenn Liebe keine Liga kennt und der FC St. Pauli für mich nicht unbedingt bedingungslos für attraktiven Spitzenfußball in Deutschland steht, so muss die dritte Liga ja auch nicht unbedingt sein.
Aber ich bin auch zuversichtlich, dass es nicht soweit kommt. Die Ansätze sind da. Sowohl auf dem Rasen als auch im Stadion. Jetzt kommt eben wieder die Zeit zu zeigen, sich im Stadion die Seele aus dem Leib zu brüllen, auf dem Rasen auch die Meter zu gehen, die wehtun. Es wird wieder Zeit für Gänsehautatmosphäre am Millerntor. Freitag gegen Union bei Flutlicht eignet sich hervorragend dafür. Das Millerntor muss wieder ‚The Hell of St. Pauli' werden.

„Voran FC Sankt Pauli! Du wirst schon wieder gewinnen! ..."

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